Habilitationsprojekte

Andrea B. Braidt

Erregung erzählen. Film-Perspektivierung, Gender, Empathie

"Erregung erzählen" analysiert die Geschlechterdimension filmischer Erzählperspektive und zeigt am Beispiel der "Körpergenres" Horrorfilm, Melodrama und Porno, wie filmische Perspektivierung das Empathisieren der ZuschauerInnen steuert. Als grundlegendes Prinzip filmischer Erzählweise muss, so die Grundannahme des Projekts, narrative Perspektivierung als Zusammenspiel filmischer Mittel betrachtet werden, welche die ideologischen, moralischen und subjektiven Implikationen von Point-of-View, Fokalisierung und Erzählhaltung vermitteln.

Anke Charton  

Between practices and projections: new perspectives on Siglo de Oro theatre

In a contemporary climate where categories such as affect, nostalgia and contested facticity do gain popularity in considering history as a cultural practice, the imagination of a past 'Golden Age' and its subsequent evocations gain importance as a pattern of localizing identities in and as (historical) performance.
The project takes its trajectory from a double observation of Siglo de Oro theatre as, on the one hand, a performance practice both past and present, and as a cultural topos on the other hand: 'the' Siglo de Oro, coined as term only in retrospect, is omnipresent as cornerstone of Spanish cultural heritage in politics, academia and education, yet its canon theatre repertory figures less in performance than as a reference.
Investigating this divide of practice past and projection present, the focus of the study is two-fold: it examines the Siglo de Oro narrative as a site of staging national and cultural identity, addressing its positionality, and contrasts it with a look at performance practices of the 16th and 17th centuries, particularly in regards to their shifting in and out of a realm of a newly forming professional secular theatre against the larger backdrop of Iberian festival culture.
Siglo de Oro theatre, while a central field of studies within Spanish Philology, has received far less attention from a perspective of Performance Studies, which is the aim of this project. In addition to amplifying research on Early Modern dynamics of festival and theatre, it serves as a case study applicable to current paradigms of localizing the cultural self.

Eva Krivanec

Experimentierfeld Vergnügungskultur. Ästhetik und Geschichte theatraler Unterhaltung in Europas Metropolen, 1860–1930 (Arbeitstitel)

Das Projekt "Experimentierfeld Vergnügungskultur" setzt sich zum Ziel, eine Geschichte der frühen populären Unterhaltungsgenres auf den Bühnen der europäischen Metropolen mit Blick auf ihre Ästhetik zu schreiben, ohne dabei ihre gesellschaftliche und politische Dimension aus den Augen zu verlieren. Die grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen, die zur Entstehung moderner Vergnügungs­kultur in Europa geführt haben, sind leicht zu benennen: die industrielle Revolution und in ihrer Folge die rasante Urbanisierung. In den europäischen Metropolen bildete sich ein Massen­publikum heraus, das von einem immer vielfältigeren Angebot an Unterhaltung angesprochen werden sollte. Konnten die kommerziellen Genres theatraler Unterhaltung – so paradox es klingen mag – einen Raum für das Erproben neuer künstlerischer Formen bieten? Die Geschichte der populären Theatergenres – Variété, Revue, Zirkus, Kabarett, aber auch Schwänke, Operetten oder Sensationsstücke – ist im Hinblick auf ihre spezifischen Ästhetiken noch nicht ausreichend unter­sucht worden. Die transnationale Perspektive des Projekts ermög­licht einerseits, die rasche internationale Zirkulation von Stücken, Ideen und Produk­tionen, sowie die Mobilität der Theaterleute selbst zu untersuchen, und andererseits lokale Spezifika und interna­tionale Gemeinsamkeiten der populären Theater­genres zu analysieren. Das Projekt kombiniert historische Grundlagenforschung mit ästhetischer Analyse, die in drei Schritten, zunächst für einzelne Aufführungen, Künstler/innen oder Theater erstellt werden soll, dann in einem Vergleich über nationale und Genre-Grenzen hinweg, und schließlich in eine historiogra­phische Einordnung und Einbettung in den lokalen und zeitlichen Kontext münden soll.

Vrääth Öhner

Archäologie des Amateurfilms. Ausgrabungen zur visuellen Kultur der Moderne (Arbeitstitel)

Ausgehend von einem rund 5.000 Rollen umfassenden Bestand des Österreichischen Filmmuseums sollen Themenstellungen, Motivkomplexe und ästhetischen Formen des Amateurfilms in ihrer gegebenen Heterogenität historisch rekonstruiert und mit jenen kulturellen Praktiken in Beziehung gesetzt werden, deren Resultat und Ausdruck sie sind. Auf diese Weise kommt das Projekt zwei Forderungen nach, die in der rezenten Theoriebildung zum Amateurfilm wiederholt geäußert wurden: Zum einen die Untersuchung seiner kulturellen Praktiken vom Familienfilm auf die Produktion so genannter ambitionierter Amateure auszuweiten, zum anderen, dies mit Blick auf die historische Entwicklung der ästhetischen Formen zu tun; und zwar um feststellen zu können, welche Faktoren – technologische Entwicklungen, sozialgeschichtliche Aspekte und intermediale Referenzen – ihrer beider Genese bestimmen. Insgesamt geht es der Untersuchung also darum, die in beiden Spielformen des Amateurfilms enthaltene Fülle an faktischen, historischen, sozialen und materialen Informationen über die visuelle Kultur der Moderne freizulegen und dazu das methodische und analytische Instrumentarium zu entwickeln.

Isolde Schmid-Reiter

Kinderoper in Österreich: Ästhetik, Spielformen, Spielräume

Sehr disparat mutet den Betrachter an, was er als Musiktheater für Kinder und Jugendliche vorfindet. Funktionalität im pädagogischen Kontext und ausgeprägter Kunstanspruch markieren die beiden Pole, in deren Spannungsfeld sich dieses Genre bewegt. Die Frage, wie sich Kinderoper, den Gattungsgrundgesetzen der Oper und ihren zeitlosen Parametern gehorchend, definieren kann, bedeutet, den Spielraum der Gattung mit Blick auf die gegenwärtige Situation in seinen Varianten, Traditionslinien, dramaturgischen Mustern und ästhetischen wie formalen Grundlagen auszuloten.