Vom Homemaking zum Worldbuilding. Mediale Praktiken der Sorge in LGBTIQA+-Communities der 2010er Jahr

Abstract:

Die medienkulturwissenschaftliche Dissertation Vom Homemaking zum Worldbuilding beschäftigt sich mit ausgewählten (audio)visuellen medialen Praktiken (darunter Film, Fernsehen, Fotografie, Kunst), die sich im Kontext von LGBTIQA+-Communities situieren, sich durch eine Hinwendung zu Motiven des Zuhauses und des Privaten auszeichnen, dabei negative Affekte (Scham etc.) thematisieren und als care-ethisch inspirierte Praktiken der Sorge beschreibbar werden. Die Corpus-Auswahl ist geographisch nicht eingegrenzt, sondern fragt unter anderem gezielt nach Interferenzen von Phänomenen im Globalen Norden und im Globalen Süden. Der Untersuchungszeitraum umfasst grob die 2010er Jahre. Der zeitliche und geographische Rahmen stützt sich dabei auf die Vorannahme, dass ca. ab diesem Zeitraum von einer globalen Kultur der Digitalität ausgegangen werden kann, die qua digitaler Vernetzung auch innerhalb queer(end)er Medienakteur*innen transkulturelle Produktions-, Rezeptions- und Partizipations-Praktiken zeitigt. Im selben Zeitraum werden vielfach spätkapitalistische Formen gesellschaftlicher Ungleichheit und neoliberaler Entsolidarisierung beobachtet und kritisiert. Die Untersuchungsgegenstände der Arbeit schreiben sich in diese Kritik ein, indem sie beispielsweise dezidiert Homonormativität, Prekarisierung oder mangelnde Unterstützungsstrukturen für mehrfachdiskriminierte queer(end)e Lebensrealitäten verhandeln. Die Forschungsfragen lauten: Welches sich ändernde Verständnis von Herrschaftskritik und Transgression zeichnet sich mit diesen medialen Phänomenen ab? Was passiert, wenn Widerstand und Protest augenscheinlich nicht mit ‚Öffentlichkeit‘ und/oder mit sog. starken Affekten (wie Stolz und Wut) kurzgeschlossen werden? Welche Funktion nehmen Konzepte von Sorge in diesen medialen Praktiken ein? Die Hypothesen lauten: Die verzeichnete Hinwendung zu Figuren des Zuhauses und zu negativen Affekten im Kontext medialer Praktiken erfolgt in der feministischen Tradition der Politisierung des Privaten und markiert eine Opposition zu neoliberalen Entwicklungen. Transgression wird über Dispositionen und Modalitäten der Verletzbarkeit (Judith Bulter) und des Discomfort (Sara Ahmed) produktiv gemacht und in care-ethische (Joan Tronto) Taktiken und Strategien eines Queer Worldbuilding (Lauren Berlant) implementiert.