Figurationen des Alltäglichen

11.10.2017

Interdisziplinäre Vorlesungsreihe am tfm


Mittwochs 18.30-20.00 Uhr
11.10.2017 bis 17.01.2018
Hörsaal 3, UZA II, Geo-Zentrum
Althanstraße 14, 1090 Wien

 

Medien-, Kultur- und Sozialwissenschaften sind häufig implizit oder explizit von Fragen nach Alltag und Alltäglichkeit geprägt: gleichförmige Abläufe, Routinen, Rhythmen, Wiederholung und Serialität formen Erwerbsarbeit, die ‚Arbeit‘ in sozialen Medien, Produktion und Ästhetik von Kunst. Als kulturanthropologische Konstante wird der Wechsel von Fest bzw. Ritus und Alltag angesehen.
Mit der Frage nach der Inszenierung von Alltäglichkeit, die sich die Vorlesung stellt, sind zwei grundlegende geistesgeschichtliche Strömungen der Moderne verbunden: Ideologiekritik und ästhetische Theorie. Erstere versteht die Inszenierung von Alltäglichkeit in Medien und Kunst als Teil einer Verschleierung und Verkennung tatsächlicher Alltagserfahrung.
 Für die ästhetische Theorie sind es insbesondere die modernen Künste, die der spezifischen Zeit- und Räumlichkeit des Alltäglichen zuerst einen poetischen Ausdruck verliehen, sie als wahrnehmbare Form hergestellt haben. Dass darin auch eine Kritik bestehender Ordnung, ein poetischer Einspruch politischer Dimension liegen kann, darauf weist Jacques Rancière in seinen Arbeiten hin. Er sieht darin eine Politik des Ästhetischen am Werk, die insbesondere im Film die romantische Idee der Einheit von Kunst und Leben bewerkstelligt.
Den vielfältigen medialen, geschichtlichen und politischen „Figurationen des Alltäglichen“ wird in einer Reihe von Vorträgen aus Theater-, Film- und Medienwissenschaft, aus Philologie, Politikwissenschaft und Philosophie sowie in einem Filmprogramm im Österreichischen Filmmuseum nachgegangen.


Programm:

 

  • 11.10.17

Einführung

  • 18.10.17

The Cinema, Everyday – The Cinematic Everyday
Filmprogramm und Diskussion
15.30-17.30 Uhr, Österreichisches Filmmuseum Wien, Eintritt frei
Kuratiert und eingeführt von Alejandro Bachmann

  • 25.10.17

‚Die Mühen der Ebene‘: Familie, Fernsehen, Alltag
Prof. Dr. Bernhard Groß, TFM, Universität Wien

  • 08.11.17

Verkehr, ein Medium des Alltags
Dr. Thomas Waitz, TFM, Universität Wien

  • 15.11.17

Autofiktion, Schlüsselroman oder einfach Alltagsgeschichte? Authentifizierungsstrategien und -effekte bei J.J. Voskuil und N. Matsier
Prof. Dr. Lut Missinne, Institut f. Niederländische Philologie, Universität Münster

  • 22.11.17

Abenteuer Alltag? Zur Archäologie des Amateurfilms
Dr. Vrääth Öhner, TFM, Universität Wien 

  • 29.11.17

Lampedusa (im Winter): Narrativierungen einer Insel zwischen Alltag und Ausnahmezustand
PD Dr. Daniel Winkler, Institut f. Romanistik, Universität Wien

  • 06.12.17

Authentizität? Überlegungen zum Gemeinplatz an der durchlässigen Grenze zwischen Alltäglichkeit und Inszenierung
Prof. Dr. Stefan Hulfeld, TFM, Universität Wien

  • 13.12.17

Alltag: Textur des Politischen
Dr. Brigitte Bargetz, Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien

  • 10.01.18

Photogénie, Alltagsobjekte, Mordwaffen
Prof. Dr. Heike Klippel, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig

  • 17.01.18

Was heißt: das Gewebe des täglichen Lebens entfalten? Monumente des Alltäglichen bei Auerbach, Kracauer und Deleuze
Prof. Dr. Friedrich Balke, Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum



Kontakt: bernhard.gross@univie.ac.at
Veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- & Medienwissenschaft, Universität Wien

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