Habilitations- und Dissertationsprojekte

Ausschnitte aus Plakaten

Habilitationsprojekte

Andrea B. Braidt

Erregung erzählen. Film-Perspektivierung, Gender, Empathie

"Erregung erzählen" analysiert die Geschlechterdimension filmischer Erzählperspektive und zeigt am Beispiel der "Körpergenres" Horrorfilm, Melodrama und Porno, wie filmische Perspektivierung das Empathisieren der ZuschauerInnen steuert. Als grundlegendes Prinzip filmischer Erzählweise muss, so die Grundannahme des Projekts, narrative Perspektivierung als Zusammenspiel filmischer Mittel betrachtet werden, welche die ideologischen, moralischen und subjektiven Implikationen von Point-of-View, Fokalisierung und Erzählhaltung vermitteln.

Eva Krivanec

Experimentierfeld Vergnügungskultur. Ästhetik und Geschichte theatraler Unterhaltung in Europas Metropolen, 1860–1930 (Arbeitstitel)

Das Projekt "Experimentierfeld Vergnügungskultur" setzt sich zum Ziel, eine Geschichte der frühen populären Unterhaltungsgenres auf den Bühnen der europäischen Metropolen mit Blick auf ihre Ästhetik zu schreiben, ohne dabei ihre gesellschaftliche und politische Dimension aus den Augen zu verlieren. Die grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen, die zur Entstehung moderner Vergnügungs­kultur in Europa geführt haben, sind leicht zu benennen: die industrielle Revolution und in ihrer Folge die rasante Urbanisierung. In den europäischen Metropolen bildete sich ein Massen­publikum heraus, das von einem immer vielfältigeren Angebot an Unterhaltung angesprochen werden sollte. Konnten die kommerziellen Genres theatraler Unterhaltung – so paradox es klingen mag – einen Raum für das Erproben neuer künstlerischer Formen bieten? Die Geschichte der populären Theatergenres – Variété, Revue, Zirkus, Kabarett, aber auch Schwänke, Operetten oder Sensationsstücke – ist im Hinblick auf ihre spezifischen Ästhetiken noch nicht ausreichend unter­sucht worden. Die transnationale Perspektive des Projekts ermög­licht einerseits, die rasche internationale Zirkulation von Stücken, Ideen und Produk­tionen, sowie die Mobilität der Theaterleute selbst zu untersuchen, und andererseits lokale Spezifika und interna­tionale Gemeinsamkeiten der populären Theater­genres zu analysieren. Das Projekt kombiniert historische Grundlagenforschung mit ästhetischer Analyse, die in drei Schritten, zunächst für einzelne Aufführungen, Künstler/innen oder Theater erstellt werden soll, dann in einem Vergleich über nationale und Genre-Grenzen hinweg, und schließlich in eine historiogra­phische Einordnung und Einbettung in den lokalen und zeitlichen Kontext münden soll.

Vrääth Öhner

Archäologie des Amateurfilms. Ausgrabungen zur visuellen Kultur der Moderne (Arbeitstitel)

Ausgehend von einem rund 5.000 Rollen umfassenden Bestand des Österreichischen Filmmuseums sollen Themenstellungen, Motivkomplexe und ästhetischen Formen des Amateurfilms in ihrer gegebenen Heterogenität historisch rekonstruiert und mit jenen kulturellen Praktiken in Beziehung gesetzt werden, deren Resultat und Ausdruck sie sind. Auf diese Weise kommt das Projekt zwei Forderungen nach, die in der rezenten Theoriebildung zum Amateurfilm wiederholt geäußert wurden: Zum einen die Untersuchung seiner kulturellen Praktiken vom Familienfilm auf die Produktion so genannter ambitionierter Amateure auszuweiten, zum anderen, dies mit Blick auf die historische Entwicklung der ästhetischen Formen zu tun; und zwar um feststellen zu können, welche Faktoren – technologische Entwicklungen, sozialgeschichtliche Aspekte und intermediale Referenzen – ihrer beider Genese bestimmen. Insgesamt geht es der Untersuchung also darum, die in beiden Spielformen des Amateurfilms enthaltene Fülle an faktischen, historischen, sozialen und materialen Informationen über die visuelle Kultur der Moderne freizulegen und dazu das methodische und analytische Instrumentarium zu entwickeln.

Gabriele C. Pfeiffer

Ostentative Körper. Theateranthropologische Diskurse & Schauspielstile (Arbeitstitel)

Untersuchungsgegenstand des Forschungsprojektes ist der ostentative Einsatz des menschlichen Körpers während der performativen Handlung und als wesentliches Material der Schauspielenden. Im Kontext der Theateranthropologie werden unterschiedliche Schauspielstile und ihre zugrundeliegenden Körperverständnisse sowie theatralen Konzepte des Daseins diskurstheoretisch und systematisch analysiert.

Link zur Homepage des Projekts.

Isolde Schmid-Reiter

Kinderoper in Österreich: Ästhetik, Spielformen, Spielräume

Sehr disparat mutet den Betrachter an, was er als Musiktheater für Kinder und Jugendliche vorfindet. Funktionalität im pädagogischen Kontext und ausgeprägter Kunstanspruch markieren die beiden Pole, in deren Spannungsfeld sich dieses Genre bewegt. Die Frage, wie sich Kinderoper, den Gattungsgrundgesetzen der Oper und ihren zeitlosen Parametern gehorchend, definieren kann, bedeutet, den Spielraum der Gattung mit Blick auf die gegenwärtige Situation in seinen Varianten, Traditionslinien, dramaturgischen Mustern und ästhetischen wie formalen Grundlagen auszuloten.

Abgeschlossene Habilitationsverfahren

Birgit Peter für das Fach Theaterwissenschaft (Mitteilungsblatt vom 15.11.2013)

Zirkus. Geschichte und Historiographie marginalisierter artistischer Praxis

Der vor allem im deutschsprachigen Raum pejorative Gebrauch des Wortes "Zirkus" bildet den Ausgangspunkt der Arbeit. Begriffsgeschichte von Zirkus wird zum einem mit der ästhetischen Kategorie "Geschmack" zusammengedacht, um die Distinktionsprozesse um Zirkus in anschaulicher Weise zum Ausdruck zu bringen. Zum anderen gilt es, den Kontext der Etablierung von Zirkus als in Theaterhistoriographien nicht beachtete "Parallelaktion" spezifischer Nationaltheatergründungen darzustellen. Zirkus wird zu einem Sammlungsort von in Nationaltheaterdebatten als "Geschmacksverwirrungen" verworfener historischer Körperpraxen. Historiographien zum Grostesk-Komischen und Harlekin sowie die Hanswurst-Debatten spiegeln die Heterogenität und Vielfalt dieser ausgeschlossenen komischen Praxen, gleichzeitig lässt sich ein spezifischer "Bereinigungs"-Prozess beobachten, der "gute" schauspielerische Praxis als Kunst und "schlechte" als niedrig, kunstlos und dem Theater nicht zugehörig ausweist. Neben diesem Kunstdiskurs gilt den damit einhergehenden Nationalitätendiskursen besondere Aufmerksamkeit.Die von Eric J. Hobsbawm als "Doppelphänomen" bezeichnete nationale Identitätskonstruktion in Europa findet eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit zirkushistorischen wie -historiographischen Vorgängen. Unter dieser Prämisse werden Zirkushistoriographien wie zirkushistorische Ereignisse vorgestellt, wobei den Differenzen nationaler Erzählweisen besondere Aufmerksamkeit zukommt. So werden als historische Fallbeispiele Wien um 1900 und nationalsozialistische Kulturpolitik unter dezidierter "Zirkusperspektive" erforscht, um zwei Beispiele für die Formation von Massengeschmack aufzuzeigen, die konstitutiv für das jeweilige Gesellschaftsgefüge funktionierten.Abschließend wird eine weitere Perspektive eröffnet. Unter dem Fokus auf Gender, Minority und Genre steht Zirkus als Utopia im Zentrum der Untersuchung. Obwohl Zirkus als Institution eine hierarchische Organisationsform aufwies, finden sich im Feld von Artistik bemerkenswerte Beispiele emanzipatorischer antibürgerlicher Lebensentwürfe. Beispielhaft werden einige dieser Emanzipationen untersucht, um der Marginalisierung von Zirkus im deutschsprachigen Kanon bisher unbekannte ästhetische wie gesellschaftliche Formationen entgegenzusetzen.

Andrea Seier für das Fach Film- und Medienwissenschaft (Mitteilungsblatt vom 2.8.2013)

Mikropolitik der Medien

Praktiken der Selbstführung und -lenkung kommen ohne Medien nicht aus. In Form von Geständnis, Selbstprüfung und Überwachung, täglicher Buchführung und Archivierung ermöglichen Medien wie Schrift, Fotografie, Film, Video und Blogs die rekursive Arbeit am Selbst, in der dieses steuernde und gesteuerte Instanz zugleich ist. Medien ermöglichen in Foucaults Sinne die Selbstkonstitution als objektivierende Subjektivierung. Vor diesem Hintergrund fragt das Forschungsprojekt – anhand unterschiedlicher Medien – nach den historisch aktuellen medienspezifischen Verschränkungen von Medien- und Selbsttechnologien und ihren jeweiligen subjektivitätsgenerierenden Potenzialen. In dieser Arbeit geht es nicht nur darum, die Funktion und den spezifischen Stellenwert von Medien im Kontext gouvernementaler Politiken zu präzisieren, die in den Arbeiten Foucaults eine Leerstelle darstellt. Zu leisten ist auch in methodischer Hinsicht eine Perspektivierung des Zusammenhangs von Medien- und Selbsttechnologien, die weder die Medien noch das Selbst als vorgängig beschreibt. Zu untersuchen ist vielmehr wie Medien und Selbst füreinander produktiv werden, d.h. Medien sich immer wieder neu konstituieren im Rahmen von Subjektivierungsprozessen und umgekehrt, Subjektivierungsprozesse sich in Abhängigkeit von Medientechnologien vollziehen. Der Zusammenhang von Medien- und Selbsttechnologien wird im Forschungsprojekt als Mikropolitik der Medien konzeptualisiert und umfasst die Medien (Reality-)Fernsehen, Internet und Web 2.0, wobei der Schwerpunkt auf den derzeitigen Übergängen und intermedialen Konstellationen liegt.

Petra Löffler für das Fach Film- und Medienwissenschaft (MBl vom 25.7.2012)

(Un)Aufmerksamkeit. Eine Mediengeschichte der Zerstreuung

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Beate Hochholdinger-Reiterer für das Fach Theaterwissenschaft (Mitteilungsblatt vom 22.6.2012)

Kostümierung der Geschlechter. Schauspielkunst als Erfindung der Aufklärung

Die schriftliche Fixierung von Theorien zur Schauspielkunst ab Mitte des 18. Jahrhunderts steht in engem Zusammenhang mit der Institutionalisierung und 'Versittlichung' des Theaterbetriebs. An diesem Schnittpunkt von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, an dem eine orale, über körperliches Wissen weitergegebene Tradition in Schrift überführt, wanderndes, improvisiertes von stehendem, regelmäßigem Theater abgelöst und ein vornehmlich als Handwerk verstandenes Spiel hin zu psychologisch-realistischer Darstellungskunst reformiert werden soll, wird die komplexe und auf unterschiedlichen Ebenen stattfindende Neuordnung der Geschlechter sowie deren permanente Gefährdung untersucht.

Claus Tieber für das Fach Filmwissenschaft (MBl vom 12.1.2009)

Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem

Dissertationsprojekte

Patric Blaser

"Ein Gebiet für sich". Das frühe Kino und die traditionelle Kultur

Franziska Bruckner | abgeschlossen

Von Ober(münch)hausen nach Tricky Wien. Hybridformen der Animation im deutschsprachigen Autor_innenfilm

Animation hat in der deutschsprachigen Film- und Medienwissenschaft in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Trotzdem bleibt die Animationsforschung eine vergleichsweise junge Interdisziplin, in der immer noch grundlegende Desiderate aufgearbeitet werden müssen. Ziel dieser Dissertation ist es Animationsfilmen, aber auch Werken, in denen sich animations- und realfilmische Teile überschneiden, mit einem adäquaten historischen, theoretischen und analytischen Instrumentarium zu begegnen.
Für Kombinationen des Animations- und Realfilms dient Hybridität als zentraler Begriff, als Vergleichskategorie fungieren unterschiedliche Definitionen der Intermedialität. Als allgemein bekannte Beispiele für diese Hybride des Animations- und Realfilms gelten Filme wie Who Framed Roger Rabbit (1988) oder Avatar (2009). Den eigentlichen Untersuchungskorpus bilden aber Werke des deutschsprachigen Experimental- und Autor_innenfilms. Dies umfasst einerseits Kurzfilme mit animierten und hybriden Elementen aller Unterzeichner des so genannten "Oberhausener Manifests", die im Zeitraum von 1958–1969 in Deutschland entstanden sind. Eine nähere Betrachtung erfahren auch Arbeiten ausgewählter zeitgenössischer Filmemacherinnen aus Österreich, die im Umfeld des internationalen Animationsfilmfestivals "Tricky Women" zu verorten sind.

Laurette Burgholzer

Masken der A/Moderne. Zur Maskenkonjunktur im Modernitätsgefüge (Arbeitstitel)

Masken erfahren in Europa um 1900 eine auffällige und variantenreiche Konjunktur, von der materiellen Gesichtsmaske bis hin zum metaphorischen Maskenkonzept. Sie sind im Zeitraum des sogenannten 'Modernismus' im Theater- und Filmbereich, in praktischen und theoretischen Auseinandersetzungen vertreten (u.a. in den Arbeiten von Antonin Artaud, Charles Chaplin, Jacques Copeau, E. G. Craig, Étienne Decroux, Charles Dullin, Alfred Jarry, Buster Keaton, Max Linder, Vsevolod Meyerhold, Max Reinhardt, Oskar Schlemmer, Evgenij Vachtangov, Karl Valentin). Die Arbeit theoretisiert und kontextualisiert diese 'Maskenkonjunktur' in einer kulturwissenschaftlich orientierten Theater- und Filmhistoriographie. Im Fokus steht dabei der Figurationstypus Maske als Symptom für das Verhandeln der a/modernen Spannungs-felder Individuum/Gemeinschaft, Natur/Kultur und Rationalität/Irrationalität.

Martina Cuba

Die Begründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates. Zur Sammlungsgeschichte der Bestände am Institut für Theaterwissenschaft ab 1943

Im Zuge der Vorbereitungen der Ausstellung " Wissenschaft nach der Mode?. Die Gründung des Zentralinstituts für Theaterwissenschaft an der Universität Wien 1943." (7. Mai 2008 – 30. Jänner 2009, Institut Theater-, Film- und Medienwissenschaft) wurden Archivalien und Materialien aufgefunden, die die Basis für die historiografische Bearbeitung darstellen. Die Begründung des theaterwissenschaftlichen Forschungs- und Studienapparates war von Institutsgründer Heinz Kindermann systematisch geplant worden und bestand aus einer Fachbibliothek, Archiven und Sammlungen. Die erhalten gebliebenen Sammlungen werden verzeichnet, nicht mehr Vorhandenes wird dokumentiert und soweit möglich die Provenienz nachvollzogen. Die Aufarbeitung der Materialien zur Sammlungsgeschichte und zu den Beständen stellt ein Desiderat für weitere Forschungen zur Institutsgeschichte dar und versteht sich als Beitrag zur Universitäts-, Bibliotheksgeschichte und zur Vervollständigung der Fachgeschichte des Institutes.

Senad Halilbasic

Bosnisch-herzegowinisches Theater 1992-1995 (Arbeitstitel)

Das Forschungsprojekt erforscht institutionelle Theateraktivitäten während des Jugoslawien-Konflikts in Bosnien und Herzegowina zwischen 1992 und 1995. Dabei soll erstmalige Grundlagenforschung betrieben werden, die zunächst alle professionellen Theateraktivitäten in den Städten des Landes erhebt, in denen nachweislich während des Krieges Theater gespielt wurde. Durch sehr unterschiedliche historische und gesellschaftspolitische Kontexte ergaben sich auch gänzlich andere Formen von Theater: Während Sarajevo im Laufe des gesamten Krieges belagert war und die Theateraktivitäten dieser Stadt inhaltlich und ästhetisch stark vom alltäglichen Kampf ums Überleben beeinflusst waren, wurden in Banja Luka einzelne Theaterinstitutionen umbenannt, von serbischen Geldern mitfinanziert und ausschließlich mit serbisch-nationalistischem Gedankengut auf die Bühne gebracht. Zeitgleich wurden in Tuzla Formen von politischem Theater gespielt, welche sich stark mit der bosnisch-muslimischen Identität beschäftigten und Aggressoren und Opfer klar zu erkennen glaubten. Bei den zu sammelnden Materialien handelt es sich einerseits um Primärquellen wie Zeitungsberichte, Theatertexte, Foto- und Videomaterial von Aufführungen und andererseits um das Führen und Aufzeichnen von Gesprächen mit ZeitzeugInnen nach Methoden der Oral History (Theaterschaffende und Publikum). Die zentrale Forschungsfrage richtet sich an die jeweiligen Funktionen von institutionellen Theatern in den unterschiedlichen Städten.

Jana Herwig

Digitale Berührung (Arbeitstitel)

Auf dem Fundament einer Problematisierung des Status' des Tastsinns in den Medien unternimmt das Dissertationsprojekt den Versuch, eine alternative Geschichte der digitalen Medien zu skizzieren. Als alternativ ist diese Geschichte insofern zu verstehen, als sie nicht anhand der großen Zäsur 'analog/digital' entworfen wird, sondern die Bezeichnnung 'digital-vernetzte Medien' vor allem als Vehikel verwendet, um ein mediales Feld abzustecken, in dem die zu Grunde liegenden Übertragungs-, Speicherungs- und Bearbeitungsprozesse einerseits auf binärer Repräsentation beruhen, dessen Formen jedoch vielgestaltig sind. Und obwohl digital-vernetzte Medien insbesondere als Medien der Immaterialisierung gelten, kommt keine dieser Formen ohne den Tastsinn aus: Immer ist etwas zu drücken, zu bewegen, zu manipulieren (im doppelten Sinne: eine Taste, eine Zustand), damit digital-vernetzte Medien überhaupt als Medien wirksam sein können. Das Projekt widmet sich einerseits den Verfahren der Mediatisierung, Modulation und Substitution von Berührung, sowie andererseits den taktilen Qualitäten von Vernetzung und Relationalität.

Klaus Illmayer

TheaterMedienWissenschaft. Mediendiskurse in der Theaterwissenschaft (Arbeitstitel)

Ziel meines Forschungsvorhabens ist es zu zeigen, wie die Ausprägung einer geistes- und kulturwissenschaftlich gedachten Medienwissenschaft innerhalb der Theaterwissenschaft argumentiert und entwickelt wurde und welche Herausforderungen und Problemfelder sich dadurch ergeben. Es soll überprüft werden, wie ein integrativ gedachtes Modell von Theater- und Medienwissenschaft dazu beitragen kann, die Veränderungen einer mehr und mehr von Medialisierungsprozessen bestimmten Gesellschaft zu analysieren. Der Ausgangspunkt meiner Arbeit ist dabei die Frage, wie sich das Konzept von Medien in die Theaterwissenschaft eingeschrieben hat und welche Konsequenzen dies für das Selbstverständnis des Faches nach sich zog.

Nicole Kandioler

Identität im Double Feature. Mediale Verschränkungen von Gender und Nation in tschechischen, polnischen und österreichischen Filmen (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, wie sich Nation und Geschlecht in Film-, Medienkunst und ihren medialen Kontexte spiegelt, bzw. inwiefern das filmische Material zur Festschreibung, Destruktion oder Neubildung identitätsstiftender Narrative von Geschlecht und Nation beiträgt. Wie schreibt sich das Jahr 1989 in die gegenwärtige Film- und Mediengeschichte ein, auf welche Weise öffnet die postkommunistische Ära mediale Räume, die Destruktionen und (Re-)Konstruktionen, neue Positionierungen und Figuren kultureller, nationaler, sexueller Identitäten ermöglichen? Inwiefern ist das ausgewählte Filmmaterial Ausdruck einer neo-liberalistischen essentialistischen Identitätspolitik, die Differenz für die Erzählung des nationalen, heterosexuellen Selbst instrumentalisiert? Welche Auswirkungen haben Globalisierung und gesellschaftliche Ausdifferenzierung auf die mediale Wahrnehmung urbaner und virtueller Räume und vor allem von Körperräumen? Wie sichtbar ist der Verlust von Grenzen und äußert er sich durch ein reaktives Bedürfnis von neuen Grenzziehungen, die im Bereich des Öffentlichen oder des Privaten, des Körperlichen zu suchen wären? Die Fragen, die ich mit meinem Dissertationsprojekt stelle, bewegen sich im Spannungsfeld von Identität, Na(rrat)ion und Film. Damit zieht die Arbeit einen interdisziplinären Bogen von der Kulturwissenschaft zur Film- und Medienwissenschaft, mit Abstechern in die Geschichte, in die Literaturwissenschaft und in die Komparatistik.

David Krych

Die Wiener Hetzamphitheater. Theatralität und Animalität im 18. Jahrhundert (Arbeitstitel)

Tierkämpfe stellten im gesamten mitteleuropäischen Raum von der Frühen Neuzeit bis in das 19. Jahrhundert ein verbreitetes Phänomen theatraler Praxis dar; so auch in Wien, wo das "k.-k. privilegirte Hetzamphitheater unter den Weissgerbern" bis zum Brand am 01.09.1796 bestand. Sowohl die Größe dieses Baus, die kontinuierlichen Aufführungen sowie die Vielzahl an zeitgenössischen Erwähnungen lassen den Schluss zu, dass es sich hier nicht um eine marginale Theaterform handelte. Umso erstaunlicher wirkt die diskursive Übermacht der Nationaltheatergeschichtsschreibung – mitunter bedingt durch ein Schamgefühl für ein aufgeklärtes oder aufklärendes Bewusstsein –, wodurch diese kulturellen Praktiken bisher weitgehend aus dem theatergeschichtlichen Kanon ausgeschlossen wurden. In einer Grundlagenforschung werden auf Basis von sogenannten Hetzzetteln – den schriftlichen Ankündigungen der Hetzveranstaltungen – sowie weiteren zeitgenössischen Dokumenten Erkenntnisse über diese theatrale Form generiert. Dabei werden mit den Begriffen Theatralität und Animalität sowohl Kontextualisierungen als auch dialektische Strukturen sichtbar gemacht, die einen Beitrag zu gegenwärtigen Diskursen leisten: das Verhältnis von Gewalt und Unterhaltung, von menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren, von 'Natur' und 'Kultur', Tierethikdiskursen sowie Verhandlungen von kultur- und gesellschaftsspezifischen Problematiken wie Affektregulierung, Lachkultur, Nationaldiskurs, Genderaspekt und Inszenierung des 'Anderen'.

Melanie Letschnig

Spektakuläre Formen - Explosionen im Kino (Arbeitstitel) 

Das Projekt untersucht, wie Explosionen auf der Kinoleinwand als spektakuläre Formen die gesellschaftliche Notwendigkeit von und das Bedürfnis nach unproduktiver Verausgabung ästhetisch ausdrücken. Dazu wird eine Genealogie der Verschwendung entworfen, die von Abbildungen höfischer Feuerwerke über niederländische Blumenstillleben und dem Teufel aus der Laterna Magica-Schachtel bis zur Kinoleinwand reicht.Der Fokus der Untersuchung liegt auf dem raum-, zeit- und handlungszersetzenden Potential der Explosion als Form. Zentral ist die Frage, inwieweit diese Form wesentlich filmische Züge in sich trägt, und wie die in vertikalen Vorformen des Kinos bereits angelegten ästhetischen Prinzipien von Verschwendung mit der Explosion auf der Kinoleinwand weiterentwickelt werden.

Valentin Mertes

"Der Film entsteht im Kopf des Zuschauers." Ästhetische Verfahren bei Alexander Kluge (Arbeitstitel)

Die multimediale Arbeitsweise Alexander Kluges stellt Literatur, Film und Fernsehen, Theorie und digitale Medien in einen kommunizierenden Zusammenhang. Seit nun mehr als einem halben Jahrhundert begleitet der "einzige Projektemacher großen Formats, den wir heute haben" – wie Jürgen Habermas seinen Freund zum 70. Geburtstag charakterisierte – die Kultur- und Zeitgeschichte mit diesen intertextuellen Versuchsanordnungen. In meiner Dissertation liegt der Fokus auf den letzten drei Kinofilmen der 1980er Jahre Die Macht der GefühleDer Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit und Vermischte Nachrichten, die den thematischen Ausgangspunkt bilden, um zentrale medienästhetische Verfahrensweise in Kluges Werk zu beleuchten.

Joachim Schätz

Ökonomie im Bild. Rationalisierung und Kontingenz in Industrie- und Werbefilmen (Arbeitstitel)

Das Medium Film ist eng mit der Geschichte ökonomischer Rationalisierungen im 19. und 20. Jahrhundert verbunden: Einerseits arbeitet Film schon von seiner Aufnahmeapparatur her einem Rationalisierungsprogramm der Teilbarkeit von Zeit in diskrete Einzelmomente zu, andererseits erfasst er in besonderer Weise Aspekte von Kontingenz, Zufall und Flüchtigkeit, etwa in Form der schieren Fülle an Details im Bild, die nicht genau so notwendig sind. Dieser medienhistorische Befund, wie ihn etwa Mary Ann Doane ausstellt, wird in meiner Dissertation an Filmen produktiv gemacht, die selbst als Werkzeuge unternehmerischer Organisation dienten. Auf der Basis umfangreicher Recherchen im Rahmen des Forschungsprojekts "Sponsored Films" und die Kultur der Modernisierung (mit Sema Colpan und Lydia Nsiah, 2010-2013) gehe ich in Fallstudien österreichischer Industrie- und Werbefilme aus dem Zeitraum 1920-1960 Mischverhältnissen zwischen ausgestellter Kontrolle und (oft nicht weniger gezielt gesetzter) Unbestimmtheit nach: etwa dem Schwanken zwischen nüchterner Erklärung und dem Spektakel der Verformung im Fabrikationsfilm, der ostentativ ausgespielten Detail- und Warenfülle in Werbefilmen, oder Momenten der Messung, die im Industriefilm Evidenz behaupten.

Gudrun Lena Stölzl

Bildliche Topographien – Orte im kontemporären Dokumentarfilm (Arbeitstitel)

Die Dissertation zielt auf die Erforschung eines spezifischen Bildtypus im kontemporären Dokumentarfilm, der in der Erschließung von Topographien begründet ist. Ein Feld, ein Haus, eine Stadt – einst Tatort, Versteck – sie werden zu Sinnbildern für die Geschichte, die sie passierte. Das Bild geht in den Raum, tastet ihn ab, um darin nach dem Verlorenen zu suchen, auch, um vorhandene Ellipsen in der Narration zu überbrücken.  Indem die Orte selbst zum Sprachrohr für ihre Geschichte ernannt werden, erscheinen ihre Bilder in der ihnen zustehenden Autonomie. Erschließt das Bild einen Raum, so erschafft es ihn zugleich neu. Als realer Ort steht er für eine bestimmte soziale Konstellation, öffentlich oder geheim. In seiner visuellen Transformation wird er zudem zu einem Bildraum. Dabei hat das Bild seinen Ort im Material. Doch zugleich versteckt es sich hinter dem Gegenstand, den es zeigt. Als derart virtuelle Topographie erzeugt das Bild ein Spannungsfeld zwischen reiner Visualität und dem Kontext, vor dem diese erscheint.

Stefan Sulzenbacher

Posttelevisuelle Selbsttechnologien. Männlich-vergeschlechtlichende Subjektivierungen anhand rezenter serieller Narrative aus akteur_innen-netzwerk-theoretischer und dispositivanalytischer Perspektive (Arbeitstitel)

Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit gegenwärtigen Prozessen der Transformation, Multiplikation und Rekonfiguration jener medialen Praktiken, die zwar alltagsweltlich immer noch unter dem Begriff "Fernsehen" subsumiert werden, dabei jedoch gleichzeitig nicht [mehr] an ein eindeutig bestimmbares Medium gebunden sind und theoretisch dementsprechend als "Posttelevisualität" reflektiert werden. In diesem Zusammenhang verändert sich auch das, was unter "Fernsehserien" und ihrem angemessenen Rezeptionsmodus verstanden wird, zusehenden Auges.Diese Verschiebungen wurden in aktuellen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen aus unterschiedlichsten, jedoch meist klar voneinander abgetrennten Perspektiven untersucht. Ziel des Forschungsprojektes ist es im Gegensatz dazu, Phänomene [post-]televisueller Serialität und die damit einhergehenden Konstruktionen von Geschlecht aus einer umfassenden Perspektive zu beleuchten, die sich nicht auf innertextliche Bedeutungsebenen begrenzt, sondern systematisch versucht, deren Verschränkungen mit medientechnischen Formen und sozio-technischen, kulturellen und politischen Produktionsbedingungen in den Blick zu nehmen. Dies soll durch eine erstmalige Behandlung des Gegenstandbereiches unter männlichkeitskritischen, akteur_innen-netzwerk-theoretischen und dispositivanalytischen Vorzeichen geleistet werden.Anhand der Analyse ausgewählter serieller Narrative zielt das Forschungsprojekt darauf aufzuzeigen, wie im Zusammenhang mit aktuellen "Fernsehserien" männlich-vergeschlechtlichende Subjektivierungen als Effekte posttelevisueller Selbsttechnologien beschreibbar werden, die ihrerseits wiederum als Teil einer gegenwärtigen medialen Gouvernementalität verstanden werden.

Georg Vogt

Camp als Kritik. Eine Ästhetik marginalisierter Erfahrung im Kontext des deutschsprachigen Autorenfilms (Arbeitstitel) 

Mein Dissertationsvorhaben beschäftigt sich mit dem Zusammenhängen von Camp –Ästhetik und visueller Kultur im Rahmen des deutschen Autorenfilms. Camp als ein vor allem im englischen Sprachraum seit den 1960 er Jahren verhandeltes Phänomen wird von mir vor allem als dialektisches Verhältnis von Subversion und Affirmation,  als Arbeiten mit Versatzstücken aus dem Bereich den Alexander Kluge die "Bewußtseinsindustrie" genannt hat, begriffen. Camp tritt der ideologischen Naturalisierung, medialer Formen,  der Bildlichkeit zweiter Ordnung im Sinne Adornos entgegen. Camp  eignet sie sich etablierte Diskursformen an, hebelt deren normative, erfahrungsarme Sinnerzeugungen allerdings aus um auf das Unartikulierbare, Verbotene zu verweisen.In der Tradition der kritischen Theorie lässt sie sich als Weg durch die Konfektion und Warenförmigkeit medialer Produktion begreifen. Camp artikuliert keine rationalen Botschaften , sondern arbeitet sich als negative Ästhetik an fetischisierten Ausdrucksformen ab. Der Rahmen der Arbeit ist historisch breit gesteckt und geht den Camp Aspekten des jungen deutschen Films von den 60 er Jahren bis in die jüngere Vergangenheit nach.Die filmischen Genre und Theateraneignungen des Rainer Werner Fassbinder werden in der Arbeit ebenso aufgegriffen wie Christophs Schlingensiefs hyperaffirmative Eingriffe in öffentliche Diskursformen.

Anna K. Windisch

Waltzing on Broadway. Cultural Transfer in Silent Film Music between Vienna and New York

My dissertation project deals with audiovisual performance practices in silent film exhibition by means of an international comparison, focusing on Austrian and American traditions. Due to the axiomatic interdisciplinary nature of film music, my research draws on a variety of fields, including musicology, performance studies, media theory and film history and theory.
Viennese silent film exhibition has not been dealt with on an academic level up to this point, which is a surprising fact considering Vienna's status as a city with great cultural (and especially musical) heritage and history. This evidently reflects the low status of film as an art form in its beginnings during the first years of the 20th century. However, 100 years later, it is time to dig up those practices, reclaim innovative Viennese systems and modes of presentations and save the names of protagonists that were active in silent film accompaniment in Vienna (and beyond) from oblivion. Helpful in this venture will be the comparison with the well-researched North American tradition in order to draw points of similarity, difference and interdependence. The outlined comparison will serve as an investigative device to ascertain where certain practices originated and how they affected other national traditions. This approach will eventually lead to the investigation of the cultural transfer between these two entities during a tumultuous period and relating to various entertainment genres. I will argue how the immigration of Austrian musicians to America around the turn of the century resulted in transfers and exchanges of musical repertoires and styles and subsequently exerted an influence on the development of film music long after the silent period.
With my research results, I aim to respond to the existing knowledge in the field of audiovisual studies in a complementary way to open up the field for further examinations of this topic within regional traditions.