Das Institut
Theater, Film und elektronische Medien
sind die ökonomisch, politisch und ästhetisch richtungsweisenden Medien des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Als Wissenschaft, die sich mit szenischen Vorgängen und inszenierter Wahrnehmung befasst, untersucht die Theater-, Film- und Medienwissenschaft diese Phänomene in den jeweiligen Medien bzw. Künsten – in historischer Perspektive und unter dem Aspekt ihrer Aktualität. In ihrem Brennpunkt stehen die fiktionalen und szenischen Formen vom antiken Theater bis zum Hollywood-Kino und weiter zur globalen Szene virtueller Welten.
Das Wiener Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, das einzige in Österreich, ist das größte derartige Universitätsinstitut im deutschsprachigen Raum. In produktiver Distanz zu gängiger Theater- und Medienpraxis ist das Institut vor allem Ort theoretischer Auseinandersetzung – aber auch Schnittstelle von Wissenschaftspraxis und künstlerischer Praxis.
Der Forschungsgegenstand der Theater-, Film- und Medienwissenschaft ist die mehr als zweitausendjährige Geschichte szenischer Verfahren in der Perspektive ihrer jeweiligen Aktualität: Nur eine forschungsorientierte Ausbildung zu kultureller Kompetenz erlaubt ein souveränes Agieren in der postindustriellen Wirklichkeitskonstruktion. Ihre Analyse ist vordringlichste Aufgabe einer für die Gesellschaft nützlichen Kulturwissenschaft.
Zur Geschichte
Das „Institut für Theaterwissenschaft“ wurde 1943 im Zuge der nationalsozialistischen Kulturpolitik unter der Ägide des Reichsstatthalters Baldur von Schirach mit der Berufung Heinz Kindermanns zum Ordinarius gegründet. Im Zuge des NS-Verbotsgesetzes wurde Kindermann 1945 seines Dienstpostens enthoben, stand jedoch dem Institut ab 1955 bis zu seiner Emeritierung 1966 wieder vor. Interimistisch leiteten erst Eduard Castle (bis 1949) und dann Friedrich Kainz (bis 1954) das Institut.
Wie andere während des nationalsozialistischen Regimes gegründeten Institute trägt auch dieses Institut der Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit seiner problematischen Gründungsgeschichte Rechnung (siehe etwa: Edith Saurer (1989): „Institutsneugründungen 1938-1945“, in: Gernot Heiß, Siegfried Mattl, et al. (Hg): Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938 bis 1945, Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, S. 303 – 328; Hilde Haider-Pregler (1993): „50 Jahre Institut für Theaterwissenschaft“; Evelyn Deutsch-Schreiner (2001): Theater im "Wiederaufbau": zur Kulturpolitik im österreichischen Parteien- und Verbändestaat, Wien: Sonderzahl): im Rahmen einer Aufarbeitung der Wissenschaftsgeschichte des Faches wurden und werden die von der nationalsozialistischen Theater- und Kulturpolitik getragenen Bemühungen um die Einrichtung des Wiener Instituts ausführlich beforscht und dokumentiert. In einem Symposium am 7. Dezember 2005 wurden die Ergebnisse dieser Studie präsentiert und diskutiert, in der Tageszeitung Der Standard wurde am 7. Dezember 2005 ausführlich fileadmin/user_upload/inst_theaterwissenschaft/Cornelia_Niedermeier_Der_Standard_02.pdfberichtet.
Ab 1966 hatte Margret Dietrich das Ordinariat bis 1985 inne; unter ihrer Leitung wurde das Fach inhaltlich und methodisch entscheidend rekonzeptualisiert: Gesellschaftliche Veränderungen und die rasanten technischen Entwicklungen machten es notwenig, sich verstärkt den so genannten "Spielformen in den audio-visuellen Medien" zu öffnen.
Dieser Entwicklung des Faches Theaterwissenschaft Rechnung tragend erfolgte 1999 die Umbenennung in Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft.
Literaturhinweise:
Edith Saurer (1989): "Institutsneugründungen 1938-1945", in: Gernot Heiß, Siegfried Mattl, et al. (Hg): Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938 bis 1945, Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, S. 303 - 328
Hilde Haider-Pregler (1993): "50 Jahre Institut für Theaterwissenschaft", siehe Publikationen
Evelyn Deutsch-Schreiner (2001): Theater im "Wiederaufbau": zur Kulturpolitik im österreichischen Parteien- und Verbändestaat, Wien: Sonderzahl
Monika Meier, Peter Roessler, Gerhard Scheit (1981): Theaterwissenschaft und Faschismus. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes




